Eine Dynastie im Fadenkreuz der Kunst: Über Roland Richter
Wenn ich auf der Bühne stehe, tue ich das nicht nur als Künstler – ich tue es als Bewahrer einer fast 300-jährigen Familientradition. Die Wurzeln unserer Familie im Marionettentheater lassen sich lückenlos bis ins Jahr 1736 nach Leipzig zurückverfolgen. Ich bin mit und inmitten von Marionetten aufgewachsen; sie prägten meine gesamte Kindheit und mein Verständnis von Theater.

Die hohe Kunst des Marionettenspiels
Es ist mir ein wichtiges Anliegen, zu betonen: Ich bin kein „Puppenspieler“, der Handpuppen auf dem Jahrmarkt bewegt. Ich bin Marionettenspieler. Das Führen einer Marionette erfordert höchste Präzision, tiefes Einfühlungsvermögen und eine jahrelange Ausbildung, um Holz und Fäden auf der Bühne echte, lebendige Seele einzuhauchen.
Vom Schicksalsschlag zum neuen Prinzipal: Die Revolution auf der Bühne
Im Jahr 2008 erkrankte mein Vater, der das Theater in der 8. Generation führte, schwer. Gemeinsam mit meiner Mutter übernahm ich die Verantwortung, um das Familienerbe am Leben zu erhalten. Im Jahr 2010 trat ich schließlich offiziell die Nachfolge an und wurde der neue Prinzipal.
Mit der Übernahme ging ich völlig neue, mutige Wege und führte die offene Spielweise ein. Ein „Verstecken“ hinter Vorhängen oder starren Spielleisten gibt es bei mir nicht mehr. Ich stehe gemeinsam mit meinen Marionetten sichtbar auf der Bühne. Mensch und Figur verschmelzen zu einer Einheit – eine Dynamik, die das Publikum hautnah miterleben kann, was besonders im Luther-Jahr 2017 deutlich wurde, als ich im Auftrag der evangelischen Kirche mit der Spielfigur des Martin Luther bundesweit Auftritte hatte. Die Marionetten und ich verschmelzen zu einer Einheit.

Um dieses Konzept als Solokünstler perfektionieren zu können, strukturierte und inszenierte ich die vorhandenen Stücke komplett um. Aus dieser kreativen Freiheit heraus entstanden zudem zahlreiche neue, eigene Stücke aus meiner Feder.
Das kleinste Theater der Welt mit festem Spielplan
Ein Höhepunkt dieses Weges war die Gründung des „Zimmertheaters in Bad Nauheim“ im Jahr 2016. Es war das kleinste Theater der Welt mit einem festen Spielplan. Hier präsentierte ich ausschließlich meine eigenen Inszenierungen und wir erlangten regionale sowie überregionale Bekanntheit – bis die unvorhersehbaren Restriktionen der Corona-Jahre diesem Herzensprojekt ein jähes Ende setzten.
Das Roland-Richter-Figurentheater 2.0
Nach einem sechsjährigen Dornröschenschlaf schlage ich nun ein neues, eigenständiges Kapitel auf. Das Roland-Richter-Figurentheater 2.0 besinnt sich auf die tiefe, jahrhundertealte Spieltradition meiner Familie und verbindet sie mit meinen eigenen, modernen Inszenierungen als Solokünstler.
Erleben Sie Theaterkunst, die im Blut liegt, verfeinert durch mein Wissen als Buchautor und meinen geschulten Blick als Photograph, meine Redekunst als Vortragender und meiner Kreativität, mich auf jedes Publikum und jede Situation spontan einstellen zu können.